Lyrik/Geschichten

Neue Wege gehen


Neue Wege zu gehen,
sie erkunden,
entdecken.
Und ihnen zu folgen,
ohne zu wissen wo sie enden.

Neue Wege zu gehen,
mutig sein,
neugierig.
Um dann zu merken,
es hat sich gelohnt.

Neue Wege zu gehen,
mit offenen Augen,
respektvoll.
Um sehen zu können,
richtig sehen.

Neue Wege zu gehen,
mit offenen Sinnen,
lernfreudig.
Um zu bemerken,
das der Wald ein Lehrer ist.

Neue Wege zu gehen,
mit einem lächeln,
hoffnungsvoll.
Um dann zu spüren,
wie einen Sonnenstrahlen berühren.


© Nathalie Bird













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Phantasie,

welch kostbarer Schatz.
Vorbehalten jenen,
die sich erlauben zu träumen.

Ohne sie wäre die Welt grau.
Gedanken ohne grosse Bedeutung.
Ein Wald einfach nur ein Wald.
Das Leben einfach nur das Leben.
Leere.

Ein Hoch auf jene,
die sich auf beide Welten einlassen.
Die sich gestatten zu fantasieren.
Auf jene, die noch zu träumen verstehen.

Träumende Realisten.

Welch kostbarer Schatz.


© Nathalie Bird











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Herbstwandel

Es ist Zeit dich zu verwandeln.
Deine schönsten Gewänder liegen bereit,
in Farben wie nur du sie trägst.
Noch einmal deine Schönheit zeigen,
bevor du dich verabschiedest.

Du wirst mir fehlen,
hinterlässt ein eigenartiges Fernweh...Heimweh.

Es ist der Kreislauf der Natur,
deine Blätter werden weniger,
du brauchst die Energie nun anders.

Die Vögel sind bereits auf Reisen,
nun verabschiedest auch du dich langsam
und ich sehe dir dabei zu.

Du wirst mir fehlen.

Aber ich sehe auch,
die winzigen kleinen Knospen,
welche du ein wenig hinaus geschubst hast.
Sie stehen bereit für die warmen Sonnenstrahlen.
Sie stehen für Hoffnung.

Und ich freue mich.

© Die Waldfrau






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Herbstgefühle,
Sommernächte.
Vereinigung von Sommer und Herbst.
Als gingen sie Hand in Hand,
und dekorierten gemeinsam die Natur.
Bemalen einzelne Blätter.
Andere lassen sie welken,
um sie dann,
mit einem sanften Windstoss,
rascheln und tanzen zu lassen.
Sie lassen den Mais reifen,
zeichnen rote Backen an Äpfel
und Sonnenblumen leuchten.
Sie müssen gute Freunde sein,
um solche wunder zu verbringen.

© Die Waldfrau







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Sonnenstrahlen

Das Gesicht der Sonne zu gewandt, die Augen geschlossen
die Wärme spüren.
Das augenblickliche, wohlige Gefühl unter der Haut.
Der Moment, intensiv und warm.
Eine perfekte Sekunde,
unbezahlbar.
Und dann umarmt von Sonnenstrahlen,
ich bin warm und leuchte.
Glücklich.
© Die Waldfrau






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Die Greisin und die Sehenden




Nun treffe ich die Greisin regelmässig im Wald an.
Wir werden uns immer vertrauter.
Ihr Wissen über die Natur und die Elemente,
ergeben einen wertvollen, unbezahlbaren Schatz.


Die Greisin, mit ihrem stets sanften lächeln im Gesicht,
erscheint mir heute allerdings traurig, erschöpft.
Ich frage sie nach dem Grund.
Aber sie antwortet mir nicht.
Wie so oft, wenn sie der Meinung ist,
dass meine Frage nicht von wirklicher Bedeutung wäre.
Und so schweigen wir, während vor uns der Schmetterlings weg
in seiner gesamten Schönheit erscheint.
Hier verweilen wir gerne,
umgeben von tanzenden Schmetterlingen,

fühlt sich das Herz besonders leicht an.









Dann sieht sie mich an, mit ihren gütigen funkelnden Augen.
Die Sehenden werden immer weniger,“ seufzt die Greisin.
Die Menschen gehen in den Wald, aber sie sehen nicht. Nicht richtig.
Sie laufen, rennen und schreien in ihre Telefone.
Sie übertönen die Musik und Stimmen des Waldes,
mit ihren Geräten.
Ich zeige ihnen die schönsten Dinge -
aber sie können es nicht sehen.
Wenn wir ein Waldkonzert feiern,
hört niemand zu.
Sie laufen einfach vorbei.
Ihr, die hin seht und hört, seid wenige.
Dabei wäre es so wichtig...“









Ich verstehe was sie meint,
aber was sollte ich dieser Weisen Frau antworten?
Hatte sie mit ihren Worten nicht recht?
Dann nehme ich ihre Hand in meine
und sehe sie mit ernstem Blick an.
Du hast recht in dem was du sagst.
Aber ich kann dir sagen,
dass wir gar nicht so wenige sind.
Wir leben verteilt auf der ganzen Welt
und treten kaum in Gruppen auf.
Aber wir sind da. Und wir werden mehr.
Langsam zwar, aber wir werden mehr.
Wir, die wir die Natur als mehr sehen.
Mehr als grüne Flächen und Bäume,
Wasser, Wege und Tiere.
Wir, die richtig hin sehen und noch staunen können.

Gib uns nicht auf.“



© Die Waldfrau





                                                                                                                                                  







Die Himmelslaterne



Manchmal wenn ich dich sehe,
staune ich, wie ein kleines Kind.
Du ziehst mich immer wieder magisch an,
mit deinem warmen Licht,
dem hellen Schein.
Als wärst du eine grosse Himmelslaterne.


Dann wünschte ich mir Flügel,
um etwas näher an Dich heran zu fliegen,
dich vielleicht zu berühren.
Und dann hätte ich auch ein paar Fragen an dich.
Denn von dir oben sieht alles anders aus.


Ich würde Dich fragen,
wo du am liebsten scheinst.
Dich dort für einen Moment verweilen lassen.
Aber du hast keine Zeit.
Andere Träumer warten auf Dich.


© Nathalie Bird








                                                                                                                                                 


Unperfekt - Perfekt
Eine Geschichte der Waldfrau




Das Gefühl,
im hier und jetzt Falsch zu sein.
Treibt mich wieder in meinen Wald.
Ich eile und bemerke meine Verfolger erst spät.
Es sind die Schatten der Zweifel,
die denken, sie seien im Recht.
Die Schatten sind laut und energisch.
Endlich sehe ich das Tor in den Wald
und gehe noch schneller.
Zu meiner Überraschung,
sitzt auf einem umgestürzten Baum die Greisin.
Ob sie wohl im Wald wohnte?
Unsere Begegnungen sind zufällig und doch...
Ich habe die Greisin zuvor erst einmal gesehen,
bei der alten Stelle an der die Sorgensteine liegen.

Sie lächelt mit einer unvorstellbaren Güte
und umarmte mich.
In dieser Sekunde verschwinden die Schatten hinter mir.
Von unsere letzten Begegnung weiss ich,
dass die Greisin keine Frau der grossen Worte ist.
Sie nimmt mich bei der Hand
und wir gehen gemeinsam ein Stück.
Bei den Wurzelhügeln bleibt sie stehen
und deutet mir, mich zu setzen.
Du bist nicht falsch. Lerne gegen die Schatten zu kämpfen.
Lerne deine Gabe zu schätzen.“

Ihre Worte klingen überraschend energisch.
Die Greisin erhebt sich und winkt mir,
ihr zu folgen.
Mit ihren dünnen Finger deutet sie auf einen Baum,
welcher mit einem Kreuz gezeichnet war.
Auf mich wirkte er wunderschön, besonders.





Eine kurze Zeit später,
deutet sich vor uns ein kleiner Waldweg an,
an dessen Seiten Löwenzahn leuchtet.
Es müssen hunderte sein...
Die Greisen lächelt und kniet sich zu einer bestimmten Löwenzahnblume nieder.
Sie winkt mich zu sich und ich sehe eine weitere Besonderheit.










Ich denke mir das diese Blume wohl besonders stark und
mächtig verwurzelt sein muss.

Während ich mich erhebe, sehe ich vor mir
den schönsten Weg den ich bisher entdecken durfte.
In meinen Augen absolute Perfektion,
in anderen Augen wohl Unordnung.





Die warme und weiche Hand der Greisin liegt auf meiner Schulter
Siehst du? Jeder hier im Wald ist unperfekt – perfekt. Besonders. Wären hier alle gleich, gäbe es uns nicht, nicht so. Bereue nie, dass du nicht zur grossen Masse gehörst. Sondern sei stolz.“

Da stehe ich nun, wieder alleine.
Vielleicht habe ich geträumt?
Aber ihre Worte in meinem Kopf.
Unperfekt – perfekt.
Stolz darauf sein.
Was auch immer heute wirklich oder unwirklich war,
ich lerne daraus.
Keiner von uns, der anders ist, ist falsch.
Wir sind absolut unperfekt – perfekt!

© Die Waldfrau









                                                                                                            




Ort der Sorgensteine

Bevor ich das Reich des Waldes betrete,
halte ich inne, versuche zur Ruhe zu kommen.
Zweifel die mich jagen, abzulegen.
Stürmische Gedanken zu beruhigen.
Erinnerungen verschlossen halten,
erlebtes vergessen.
Es gibt keinen Sinn, keinen Grund.
Es ist wie es ist.


Beschäftigt mit mir selbst,
habe ich sie nicht bemerkt.
Eine Hand berührt mich an der Schulter,
ganz sanft, voller Liebe, nicht bedrohlich.
Ich sehe auf und blicke in die freundlichen Augen einer Greisin.
Ich grüsse sie überrascht.

Die Greisen sagt nichts, lächelt mich einfach nur an.
Ihre Augen, so voller Güte und Freundlichkeit.
Dann nimmt sie meine eine Hand,
und legt einen kleinen Stein hinein.
Dann nimmt sie meine andere Hand,
und wir gehen ein Stück zusammen.
Sie redet nicht, sie lächelt.

Während wir so gehen, merke ich wie mein Herz leichter wird.
Mein Kopf hüllt sich in Schweigen, keine Gedanken.
So merke ich auch nicht, wo mich die Greisin hin führt.
Wir verlassen den Weg und sie zeigt mir verschiedene,
grosse und alte Bäume, die ich mir zu merken versuche.

Die Greisin lächelt auch in andere Richtungen,
winkt freundlich, ich verstehe nicht...
Sie macht mir klar, dass ich nicht richtig hinsehe,
und geht weiter.
Und dann sehe ich sie...die Waldbewohner.
Immer da, kaum beachtet...
Sie verstecken sich geschickt
und zeigen sich lange nicht jedem.








Und dann scheinen wir angekommen.
Eine Waldlichtung in derer Mitte ein kleiner Haufen Steine liegt.
Die Greisin lächelt und streichelt über den Steinhaufen,
dann sieht sie mich an.
Erst jetzt merke ich, dass auf den Steinen Worte geschrieben sind.
Trauer. Wut. Verzweiflung. Angst. Verlust.
Ich verstehe zunächst nichts, alles ist etwas wunderlich.







Sie zeigt auf meine Hand und ich öffne sie.
Zu meiner Überraschung stehen auch auf meinem Stein zwei Worte.
Angst und Zweifel.
Die Greisin deutet mir, die Steine ebenfalls auf den Haufen zu legen.

Dann nimmt sie mein Gesicht in ihre warmen Hände.
Sie lächelt und gibt mir einen Kuss auf die Stirn.
Dann ist sie weg.
Ich bleibe noch lange sitzen
und bemerke, wie ich mich leichter fühle.
Ich glaube, hier werden die Sorgen hin gebracht.
wenn sie kaum mehr tragbar sind.
Vorsichtig streiche ich über die anderen Steine,
wir sind so viele...

Dann mache ich mich auf meinen Rückweg.
Viel leichter, hoffnungsvoller.
Aber auch verwirrt, überrascht.
Es ist nicht wichtig wer die Greisin war,
es ist wichtig was sie mir gezeigt hat.
Um das ging es.
Wir sind nicht alleine.
Wir sind viele.
Und hier werden wir leichter.



© Die Waldfrau








                                                                                                                                                 





An "meinen" Wald


Ich liebe es, Dir beim aufwachen zu zusehen,
Dich zu bestaunen, begrüssen
und immer wieder empfinde ich Dich als unglaublich.

Du strömst eine Ruhe aus,
es ist so unglaublich friedlich bei Dir.
Du tust mir gut.

Langsam bemerken auch Deine Bewohner,
wie Du erwachst.
Sie empfangen Dich mit Gesang,
und ich darf diesem täglichen Konzert lauschen.

Du richtest nicht über mich,
es ist Dir egal woher ich bin,
wer ich bin,
was meine Geschichte ist,
solange ich Dir mit Respekt begegne.

Du lüftest immer mal wieder kleine Geheimnisse,
lässt mich entzückt und voller Demut vor Dir stehen.
Es ist, als ob Du mir täglich zeigen willst,
wie fantastisch doch das Leben ist.

Ich danke Dir, dass Du mich immer wieder sprachlos hinterlässt.
Das Du mich lehrst und in Geduld übst.
Danke bist Du immer für mich da.

© Nathalie Bird












Raupen träumen von ihrer Verwandlung


Nimmt man sich die Zeit,
so muss man gar nicht weit.
Denn auf Wiesen, Wald und Wegen
kann man ihnen schnell begegnen,

Insekten und Schnecken,
die sich raffiniert verstecken.
Sie fliegen und summen,
flattern und brummen.

Spinnen die Beute jagen,
Bienen die Pollen tragen.
Raupen träumen von ihrer Verwandlung,
Blüten – für alle eine Versuchung.

Verpuppte,die sich aus Hüllen quälen
Marienkäfer die ihre Punkte zählen.
Ich kann mich kaum daran satt sehen,
es ist ein Wunder und kaum zu verstehen.

So klein und unscheinbar,
überraschend und wunderbar.
Ohne Euch hätten wir sorgen,
gäbe es dann ein Morgen?

© Nathalie Bird











Leuchtende Mohnlaternen


Wenn ich durch die Felder streife,
leuchtest du schon aus der ferne.
In der trübe des Regens,
eine leuchtende Laterne.
Das Kornfeld mag noch so gross sein,
voller stolz stehst du da,
und dein Rot in hellem Schein.

Manchmal seid ihr viele,
atemberaubende, leuchtende Blumenlaternen.
Ob im Feld oder auf der Wiese.
Manchmal einzeln,
und es scheint,
als habe jemand Kunst platziert.
Eine hier und eine dort,
farblich perfekt arrangiert.

Besucher schwirren um deine Blüte,
sie merken dass du besonders bist,
schenkst Pollen voller Güte.
Deine zarten Blütenblätter
manchmal mit Wasserperlen geschmückt.
Eine reicht von deiner Art
und ich bin sprachlos entzückt

© NB